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Von klugen und von dummen Hunden

Liebe Fördefüßchen,

 

der erste Werktag Urlaub und ich schmökere in kürzlich gekauften Zeitschriften. Natürlich Hunde-Zeitschriften, was denn sonst?

In der DogsToday, die ich zum ersten Mal gekauft habe, war so ein Ankreuz-Test, mit dem man raus findet, ob der eigene Hund ein Checker ist oder mehr Sorte "zurückgeblieben" - selbstredend netter verpackt.

 

Den Test werde ich mal machen, denn da sind richtige Praxis-Fragen am Start, wird sicher lustig.

 

Ich weiss natürlich, ob ich Professoren oder Nulpen am Start habe, denn ich habe alles davon und man kann sehr gut vergleichen was für einen selbst da eigentlich am Praktischsten ist.

 

Viele schimpfen über ihren Hund, er sei dumm, meistens ist das aber tatsächlich ein Erziehungsding. Denn nur weil Hundi das geforderte Kommando nicht ausführt, ist er nicht dumm, meistens ist das Gegenteil der Fall.
Ich persönlich mag tatsächlich dumme Hunde und erzäle euch auch warum:

 

Meine "Hunde-Karriere" begann mit Nelly, sie ist ein Mix aus Cocker Spaniel, die ja allgemein nicht unbedingt als Intelligenzbestien gelten. Die anderen 50 % dafür aber umso mehr: Altdeutscher Hütehund, Süddeutscher Schwarzer.

Eine (zum Glück) sehr selten in Privathand zu findende Hütehundrasse. Warum sage ich zum Glück und hab sowas unterm Schreibtisch sitzen? Die sind echt krass, nicht zu vergleichen mit Border Collie und co. Und hätte ich gewusst, dass der in ihr steckt, ich hätte sie nicht genommen. Ich habe erst 3 Monate später durch Zufall erfahren, dass der in ihr steckt, aber das ist ein anderes Thema.

 

So... Nelly ist der Oberchecker in Sachen Intelligenz, ungelogen und ohne Übertreibung. Türen, Fenster, Absperrungen und was man sich noch als Begrenzung vorstellen kann, sind für sie absoluter Pipifax. Ich will raus, also gehe ich raus, egal was du mir in den Weg stellen magst. Auch Zäune... kann ich nicht drüber springen, dann klettere ich eben.

Und so war Zeit ihres Lebens jeder Zaun unter 1,80 m ein Sicherheitsrisiko.

 

Sie lernte verdammt schnell, was dazu führte, dass sie irgendwann rund 240 Kommandos beherrschte. Ja, ich war ehrgeizig. ;)

Links, rechts, oben unten, geh mal wieder an die Straßenkante, Pfötchen links, Pfötchen rechts... ich will sie nicht alle aufzählen, es waren wirklich verdaaaaaaaaammt viele. Auch viel unnützes dabei, aber wir hatten unseren Spaß damit. ;)

 

Ein intelligenter Hund trickst dich aber auch verdammt schnell aus, stellt dich immer wieder auf die Probe und raubt dir den hinterletzten Nerv. Oh wie habe ich zeitweise über dieses Tier geflucht, weil die mich schon wieder ausgetrickst hat.

Schon blöd, wenn man vom eigenen Hund überlistet wird. ;)

 

Ihr Gehorsam war Zeitlebens immer mehr so mittelprächtig und jetzt im Alter sagt sie sich "Lölölööööööö ich hab nur Glitzerknete im Schädel, mir doch egaaaaaaal." Ich lasse sie, meine Güte das Tier ist fast 13,5 Jahre alt. ;)

 

Kommando "Kinn" ist suuuper praktisch für tolle Shootings :)

So und dann kam Hummel... vermutlich geistig behindert, so genau kann man das nicht so recht sagen. Deshalb lassen wir die hier mal aussen vor. Man soll Behinderte nicht diskreminieren. ;)

Trotzdem gibt´s von ihr auch ein schickes Bild... ganz ohne Kommandos. ;)

Und zuguterletzt Othello, Cocker Spaniel. Wie oben schon erwähnt sind das nicht die hellsten Kerzen auf der Torte und das ist ja gar nicht schlimm. Bei Othello brennt nur Licht, wenn es um Reißverschlüsse geht. Die kriegt er auf, egal in welcher Lebenslage und Sicherung. Weiss der Teufel wie der das geschnallt hat. :D

Othello ist das, was man treudoof nennt. Man muss an dieser Stelle aber auch sagen, dass er nicht durch die klassische Konditionierung erzogen wurde. Das heisst genauer: Er kennt es nicht "Du führst etwas aus und wirst mit einem Keks belohnt".

Er wurde nach HTS (HundeTeamSchule) aufgezogen und im Grossen und Ganzen könnte man das gaaaanz grob so zusammen fassen: Du darfst alles machen, wenn ich es nicht verbiete. Natürlich kennt er Struktur und klare Linien, wir sind ja nicht im Waldorf Kindergarten. ;)

Er hat aber die klassische Konditionierung nie gelernt und das macht es nicht einfach, ihm auch mal nen Trick beizubringen.


Ich wollte ihm letztens das Pfötchen-Geben beibringen. Klassisch mit Keksen und ohne, egal.... 45 Minuten später gab es immer noch NULL Lernerfolg. Er saß weiter da und liess seine Pfote nehmen und guckte mich an, als würde sein Kopfkino nen geilen Streifen senden. Hmpf. Gut, probieren wir was anderes: Lieblingskeks unter einem auf dem Kopf stehenden Glas hervor holen.

 

Und das sah ungefähr so aus: Ich sehe den Keks, ich rieche den Keks, ich möchte den Keks, aber er ist absolut unerreichbar!

Und Leute mal ehrlich... das war ein Schraubglas, das oben schmaler ist und somit auf Rasen echt instabil steht. Es hat nicht gereicht, er hat es nicht umgestupst.

 

Seine Murmeln treffen sich einfach nur gelegentlich, wir arbeiten dran, ihm sowas auch mal näher zu bringen und zu einer Lösung zu führen.

 

Er macht das alles aber mit seiner liebenswürdigen Art und dem tollen Gehorsam, wenn es um den Alltag geht, absolut wieder wett. Ein dummer Hund ist nicht per se ein Pudding, er ist eben einfach gestrickt und das macht den Umgang mit ihm erfrischend leicht. Er überlistet dich nicht, sondern sagt dir direkt und ehrlich, wenn du ihm mal den Puckel runter rutschen kannst. ;) Meistens aber ist die Aussicht auf Streicheln und Schmusen viel toller als alles, was er gerade tut.

 

Ich würde mich immer wieder für einen dummen Hund entscheiden. :)

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Kommentare: 3
  • #1

    Andrea (Montag, 16 Juli 2018 19:22)

    Herzerfrischend geschrieben Mona, hatte echt Kopfkino � wobei ich persönlich den Schlauen bevorzuge. Ja, auch wenn es manches mal anstrengend ist, es wird nie langweilig und ich liebe die Herausforderung �

  • #2

    Domi mit Mops Lilly (Montag, 16 Juli 2018 19:25)

    Hey,
    toller Blogeintrag, den ich zustimmen kann. Ich selbst hatte bisher zwei Mopsladies in meinen Leben - eine eher einfach gestrickt, nicht sehr schlau, aber die liebste und treueste. Sie war sehr genügsam und wollte einfach immer bei mir sein. Sie wäre im Leben nicht darauf gekommen, irgendetwas von mir in Frage zu stellen oder mich auszutricksen. Leider gibt es sie nicht mehr. Aber einmal Mops verliebt, immer Mops verliebt. Nach ihr kam die zweite Mopslady namens Lilly zu mir: ein durchgeknallter Wirbelwind, die super Sport, agil und vor allem schlau mit dem Selbstbewusstsein einer Bulldogge ist. Sie lernte schnell Dinge - leider auch vieles, was sie nicht sollte. Ausgetrickst werde ich mindestens einmal die Woche immer noch. Nachdem der erste Ärger verflogen ist, folgt der Stolz mit einem Lächeln auf den Lippen auf dieses intelligente Hündchen.
    Beide Arten sind traumhaft - den beide haben ihre Sternstunden und Schwierigkeiten.

  • #3

    Fördepfote (Mittwoch, 18 Juli 2018 05:43)

    Guten Morgen ihr beiden,

    ich kann leider die Kommentare nicht einzeln kommentieren, deshalb mache ich das so. :)

    Andrea, mit einem dummen Hund wird es aber auch nie langweilig, es ist aber eine andere Art von "es passiert was". In der Regel sind die Sachen, die Othello startet, einfach nur zum Totlachen, während man über einen Hund wie Nelly eher staunt oder den Kopf schüttelt. Okay, es kommt natürlich auch immer darauf an wie man mit dem, was Othello so tut, umgeht. Nimmt sicher auch nicht jeder alles mit Humor. :D

    Da fällt mir eine irre komische Geschichte von letzter Woche ein, die ich hier mal zum Besten gebe:
    Ich wollte den Hühnern Nudeln über den Zaun schmeissen, was grandios missglückt ist. Einen (!) Meter vom Zaun weg, habe ich es geschafft, dass der ganze Blöp an den echt hohen Brennnesseln abgeprallt ist (die exakt einen Meter des gesamten Zauns bedecken - läuft). Das Nudel-Knäuel fiel dann zurück in den Garten, als ich es aufheben wollte, flog der Piefke in mein Blickfeld, schnappt sich das ganze Ding und gibt richtig Hackengas. Während ich mich noch schlapplachte, entdeckten die zwei Ausbrecher-Hühner Othello mit eben jenen Nudeln und rannten Othello in einem Affenzahn hinterher. Hühner jagen Hund, Hund kriegt grosse Augen, zieht den Hintern ein und wuuuuuuusch... dabei stetig Nudeln verlierend.
    Es war ein Bild für die Götter und ich bin fast verreckt vor Lachen.

    Dominique, Lilly ist auch wirklich ganz bezaubernd, immer wieder. Deine erste Dame kannte ich ja leider nicht.
    Wie du schon sagst, man ist doch auch schon stolz auf die schlauen. Und ein mal die Woche ausgetrickst werden, finde ich jetzt gar nicht soooo viel. Ein Mal am Tag hatte ich das mindestens mit Nelly. ;)

    Und ja, beides hat seine Sternstunden und Schwierigkeiten, seine ganz eigenen Hürden, aber auch Erfolge. Mit einem intelligenten Hund hast du ganz andere Herausforderungen, aber die erstmal gemeistert, ist das ein bisschen wie "Ich habe Feuer gemaaaaaaacht". ;)